Artenvielfalt ist kein „Trend“, sondern überlebenswichtig.
Aktuelle Erkenntnisse zeigen: Klimakrise und Artensterben sind eng miteinander verbunden. Je mehr Arten verschwinden, desto stärker verschärft sich der Klimawandel. Besonders betroffen sind Insekten – ihr Bestand ist in den letzten Jahrzehnten um rund 75 % zurückgegangen. Da sie am Anfang der Nahrungskette stehen, hat ihr Verlust weitreichende Folgen, unter anderem für Vögel und ganze Ökosysteme.
Warum Artenvielfalt entscheidend ist
Wenn Arten fehlen, können Ökosysteme ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen. Die Wissenschaft bringt es auf den Punkt:
- Die Klimakrise entscheidet darüber, wie wir künftig leben.
- Der Verlust der Artenvielfalt entscheidet darüber, ob wir überhaupt überleben.
Friedhöfe als wertvolle Lebensräume
Friedhöfe bieten durch ihre Struktur viele kleine Lebensräume: alte Bäume, Hecken, Beete, Wiesen, Mauern, Wege und Wasserstellen. Damit sind sie ideale Orte, um natürlichen Klimaschutz zu fördern und ökologische Nischen miteinander zu vernetzen.
Bisher standen Ordnung, Pflegeleichtigkeit und Sauberkeit im Vordergrund. Das Projekt BiCK setzt nun zusätzlich auf:
- naturnahe Gestaltung
- heimische Pflanzen und Bäume
- Lebensräume für Bestäuber wie Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten
- ökologisch sinnvolle Pflege, ohne ungepflegt zu wirken
Naturnah bedeutet dabei nicht ungeordnet oder unsauber. Müllvermeidung, Mülltrennung und der bewusste Umgang mit Ressourcen bleiben selbstverständlich.
Friedhof: Kulturort und Zukunftsraum
Friedhöfe sind kulturelle Orte und Teil unseres immateriellen Kulturerbes. Gleichzeitig können sie zu ökologischen Inseln werden, die Pflanzen und Tieren das Überleben sichern und miteinander vernetzt sind.
Was konkret umgesetzt wird
- Empfehlungen statt Vorschriften für Grabgestaltung
- Pflanzpläne und Mustergräber mit pflegeleichten, heimischen Pflanzen
- Fokus auf freie und frei werdende Flächen, z. B. für:
- Blumenwiesen, Staudenbeete, Hecken
- Baumreihen, Streuobstwiesen oder Alleen
- Wasserstellen, Teiche oder begrünte Mauern
- ruhige Natur- und Sitzbereiche für Trauer und Besinnung
Ziel ist ein harmonisches Zusammenspiel:
Gräber und freie Flächen ergänzen sich, damit mehr Artenvielfalt entsteht – ökologisch wertvoll, ästhetisch ansprechend und für Menschen wie Natur gleichermaßen heilsam.
Unsere Friedhöfe sollen so zu Orten des Gedenkens, der Ruhe, der Bildung und des lebendigen Naturschutzes werden.
Wandel der Bestattungskultur – neue Chancen für Friedhöfe
Auf Friedhöfen werden zunehmend Flächen frei, denn das Bestattungsverhalten verändert sich deutlich. Traditionelle christliche Rituale verlieren an Bedeutung, während sich gesellschaftliche und familiäre Strukturen wandeln.
Zahlen, die den Wandel zeigen
Für die kirchlichen Friedhöfe der Landeskirche Hannover (Referenzjahre 1990–2015) ergibt sich folgendes Bild:
- Sargbestattungen
- 1990: 89 %
- 2005: 71 %
- 2015: 52 %
- Urnenbestattungen
- 1990: 11 %
- 2005: 29 %
- 2015: 48 %
Der Wandel beschleunigte sich ab etwa 2005. Als Gründe gelten eine höhere Mobilität, das Auseinanderdriften von Familien und auch der Einfluss des Internets.
Folgen für die Friedhöfe
Urnenbestattungen benötigen deutlich weniger Fläche. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Bestattungen auf kirchlichen Friedhöfen insgesamt ab – unter anderem durch sinkende Kirchenmitgliedszahlen und alternative Bestattungsformen wie See-, Wald- oder Friedwaldbestattungen.
Im Landkreis Stade lag der Anteil der Urnenbestattungen bereits 2015 bei 57 %. Regional gibt es teils große Unterschiede.
Chance für Mensch und Natur
Die frei werdenden Flächen sollen bewusst neu gestaltet werden:
- als Orte, an denen sich Menschen und Tiere wohlfühlen
- mit einem klaren Fokus auf Artenvielfalt und naturnahe Lebensräume
Dieses Vorhaben wird vom Friedhofsteam der Kirchengemeinde unterstützt – und idealerweise auch von Ihnen.
Mit stillen Grüßen Stefanie Romund,
Schöpfungsbotschafterin der Kirchengemeinde St. Marien Himmelpforten
Maskottchen ist mein Deichschaf “Die Deichgräfin®”
Wir beteiligen uns am “Projekt BiCK – BiodiversitätsCheck auf Friedhöfen.”
Projektname unserer Kirchengemeinde: “LebensRaum Friedhof” – wir sind aktiv seit dem Jahr 2020.
Ziel: die Artenvielfalt auf Friedhöfen fördern.

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